Rhetorik Grammatik Dialektik

Einführungsinformation Rhetorik - was will dieser Blog?

 

 

          RHETORIK 

GRAMMATIK

  DIALEKTIK

 

So wird man ein guter Redner und Verhandlungspartner:



Schritt 1


Die deusche Sprache? Ist doch ein Klax für mich. “


Das Aufschreiben der Rede beherrschen (elocutio): alle Wortarten, alle Satzarten und alle rhetorische Figuren ( können. Mit Gruppen-Übungen, eigenen Redebeispielen, Original-Reden historischer Persönlichkeiten und Multiple-Choice Test nach jeder Lerneinheit.


Schritt 2





Stop! Nehmen Sie mich mit, Herr Busfahrer, weil...weil...weil warum eigentlich?“


Die Anordnung von Information meistern (dispositio): alle Argumentationsarten kennenlernen, die für eine Rede bedeutsam sind. Inhaltliche Einteilung der Rede für die verschiedene Anlässe beherrschen.




Schritt 3



Junge, Junge, das ist ja viel anstrengender, als ich gedacht habe.“


Dem Vortrag der Rede gewachsen sein (actio): Körpersprache und Stimme einsetzen. Selbstkritische Analyse von Videoaufnamen. Richtige Manuskriptgestaltung.



Schritt 4



Wo man da alles hin muss! Was das Zeit kostet! Geht das nicht auch etwas einfacher?“


Das Sammeln von Information beherrschen (inventio): Selektives Lesen (Texte überfliegen) und Brainstorming (z.B. ABC-Technik) können.


Schritt 5



Ich werd's bestimmt nicht schaffen! Ich werd' bestimmt den roten Faden verlieren!“




Das Einprägen der Rede können (memoratio): eventuell Gedächtnistechniken einsetzen.



Schritt 6:



Und deshalb fordere ich: Make love, not war.“


Die Massenkommunikation beherrschen – wie man Gefühle im Publikum auslöst (Affektenlehre)



Exkurs: Ciceros rhetorische Witztheorie


Schritt 7



Ist doch schön, wenn man erfolgreicher verhandeln kann.“


Gespräche führen können (Dialektik). Im Bereich der VERHANDLUNGSRHETORIK faire Diskussionen führen können, unfaire Diskussionen (z.B. Manipulationsversuche durch Lob/ harsche Kritik) erkennen und widerlegen können.

Exkurs: Unfaire Dialektik nach Schopenhauer und Hamilton (Rabulistik, Eristik)








Schritt 8:




In den Prüfungsraum? Juchu!“


Praxistest im Alltag (actio): außerhalb des Rhetorikseminars einen Vortrag halten, an Konferenzen der Firma teilnehmen.


Schritt 9:

Schritt 1 bis 7 mit Übungen daheim wiederholen. Neue Bücher zum Thema „Rhetorik“ lesen. Wortschatz erweitern durch Diskussionen und das Lesen von Interviews und Reden bedeutender Persönlichkeiten.


ANHANG: Eine kleine, bescheidene Auswahl über Rhetorik in der deutschen Prosa-Literatur und Philosophie.




Verlinktes Register zu diesem Rhetorikbuch







Vor diesem Buch

Nach diesem Buch







Einführung

Die meisten Definitionen zur Rhetorik sind ungenügend. Wir wissen, der griechische Begriff rhêtorikê bedeutet Redekunst, es geht um eine Wissenschaft, die sich mit den Regeln und Gesetzmäßigkeiten zweckmäßigen Sprechens beschäftigt. Sophisten, die ersten Lehrer politischer Beredsamkeit, unterwiesen ihre Schüler, wie man zu sprechen hat, um Erfolg zu haben. Und indem sie die Rhetorik zu einer Wissenschaft umgestalteten, waren den Sophisten sprachlichen Untersuchungen das Hauptanliegen. Grammatik und Syntax, zudem Untersuchungen über die Satzteile, über den Wortgebrauch, über Synonymik und Etymologie: Prodikos, Hippias und Protagoras waren Vorreiter einer der ältesten Wissenschaften überhaupt: der Rhetorik.


Empedokles stammte aus Sizilien und wurde 490 vor Christus auf dorischem Gebiet in Akragas geboren. Obwohl selbst aus vornehmer Familie stammend, sympathisierte er später mit den Freiheitsbestrebungen der Volkspartei und konnte ihr zum Siege verhelfen. Nicht bloß ein Philosoph, sondern auch ein Redner, ein Dichter, ein Ingenieur, ein Arzt und ein Weihepriester – Empedokles war hochberühmt. Aristoteles preist ihn als Begründer der Rhetorik und stellt ihn an Pracht dem dichterischen Ausdrucks Homer gleich, ähnlich später Lukrez. Magische Kräfte, wunderbare Heilungen, allerlei Wetterkünste, ja sogar Totenerweckungen schrieb ihm nicht bloß das Volk, sondern auch er sich selbst zu.


Wir wollen den Begriff Rhetorik eng fassen, und ihn lediglich als geeignetes Handlungsanweisung zum erfolgreichen Auftritt vor Publikum betrachten, in der ein Vortragender eine öffentliche Rede hält, die von der Masse der Zuhörenden später mit Wohlwollen bedacht wird. Aber wie erreicht er, der Redner, das Wohlwollen?

Zunächst: eine außergewöhnliche sprachliche Leistung, hauptsäch-lich in der kommunikativen Vielfalt liegend, ist nötig, z.B. muss die Auswahl der Wörter zum jeweiligen Themengebiet wie auch zum Publikum passen. Diese Einzelwörter erzeugen Witz durch Über- und Untertreibung, können schockieren durch Anstößigkeit, finden bildhafte Vergleiche, regen zum Nachdenken an. Aber nicht nur die Einzelworte dieser Gedanken zählen, auch die Reihung dieser Wörter wie an einer Perlenkette ist wichtig; dabei werden manche Wörter absichtlich wiederholt, sowohl im Satz selbst als auch in einem Nebensatz oder gar in aufeinanderfolgenden Sätzen. Der Redner vermag auch Satzglieder im Satz so umzustellen, dass der Satz nicht nur verstanden wird, sondern auch ein ungewöhnliches, weitaus schöneres Klangmuster aufweist. Gleicherweise ist der Redner ein echter Fachmann der Satzverkürzung, d.h. er versteht sich darauf, alle nicht sinntragenden Elemente aus dem Satz herauszustreichen.


Somit beschränkt sich die rednerische Leistung zunächst auf Wiederholung, Verkürzung, Umstellung von Wörtern und kunstreiche Wortfindungslehre.


Rhetorik lässt sich als Lehre aller sprachlichen Möglichkeiten definieren, die uns grammatikalisch im Satz überhaupt zur Verfügung stehen. Dabei ist für den Redner weniger grammatikalische Richtigkeit, sondern klangliche Schönheit das Hauptauwahlkriterium. Als angenehmer Nebeneffekt ist es zugleich ein Verfahren, nicht im Redefluss ins Stocken zu geraten.


Die Wechselwirkung zwischen Redner und Publikum hat eine ganze weitere Trickkiste entstehen lassen, mit der sich vormals müde Textpassagen aufpeppen lassen. Lob des Ortes und Publikums, Bescheidenheit ist eine Zier, Wiederholung der Publikumsanrede, selbstverständliche Fragen ins Publikum, "entweder-oder-Entscheide" des Publikums, das "was würde er wohl tun, wenn er heute hier wäre?"-Aufleben von demjenigen, der beim Publikum in hohem Ansehen steht.


Wenn wir an diesem Punkt mit unserer Rhetorikdefinition aufhören, so sollte er, der gute Redner, ca. 200 verschiedene sprachliche Ausdrucksformen zu einem x-beliebigen Satz im Kopf haben.


Der gesunde Menschenverstand gebietet, dass ein Redner zusätzlich sehr gut argumentieren kann, dass er Fehler in der Argumentation seiner Vorredner erkennt und sie öffentlich entlarvt. Die Gesetze der Logikbeweise, das Erkennen von Trugschlüssen, sollte er wie das 1 X 1 beherrschen, wenn er nicht nur schöne Worte machen will, nicht nur "um den heißen Brei herumreden". Dass Lehrer der Rhetorik auch über den Gedankengang der Rede gehandelt haben, versteht sich von selbst. Dieser Gedankengang aber besteht im Beweisen und Widerlegen.


Während unser Redner parteiisch spricht, ist damit zu rechnen, dass im Publikum irgendein wichtigtuerischer Schreihals sitzt, der mit Mitteln der Einwortbeschimpfung versucht zu stören. Schafft der Redner es, ihn mit einer schlagfertigen, witzigen Antwort den Wind aus den Segeln zu nehmen, sodass der Redner die Lacher auf seiner Seite hat, wird ihm auch der Rest der Rede gut gelingen. Dieses schnelle Umschalten von personalem Angriff auf personale Gegenabwehr lässt sich von den bereits erwähnten sprachlichen 200 Möglichkeiten trainieren.


Es versteht sich von selbst, dass ein Redner neben allen Wortarten die Satzarten mit allen Nebensatzformen kennt. Ein guter Redner ist also ein geschulter Grammatiker, der oftmals die Regeln der Schulgrammatik bricht. Wie oft hören unsere Schüler in der Aufsatzlehre: Keine gleichen Satzanfänge! Nicht die Wörter wiederholen! Keine unnötigen Adjektive! Keine zu kurzen Sätze! Keine unanständigen Wörter! Und was macht unser Redner? Offenbar das Gegenteil all dessen, was der Deutschlehrer als sprachlich schön empfindet.

Dabei ist die Sprache der Rhetorik eine universelle, d.h. auf jede Landessprache übertragbar.


Das Terrain der Sprache verlassend, ist der Rest der Rhetorik ausschließlich eine organisatorische Leistung. Die richtigen Informationen zum jeweiligen Thema müssen gefunden werden, sodass der Redegegenstand nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich zu glänzen vermag. Das Abarbeiten eines Punkteplans mit bestimmten Fragen hilft, etwas Sinnvolles zu einer bestimmten Person oder Sache zu sagen. Die gefundenen Informationen müssen gegliedert, ein guter Anfang mit einem noch besseren Schluss gefunden werden, die Anordnung der Argumente von schwach nach stark ist nötig.


Dann sein Gedächtnis: Liest der Redner ab, oder vermag er es aus dem Gedächtnis völlig frei zu reden, und wenn ihm das nicht möglich ist, zumindest nach Stichworten? Sieht er in sein Publikum hinein, vermag er in ihm leidenschaftliche Gefühle zu wecken, Gefühle des Zorns und der Besänftigung, der Furcht und des Mitleids? Ist er auf den Ernstfall der Rede ausreichend vorbereitet, um als stimmliche überzeugende, körpersprachlich interessante Einheit zu wirken, die klar und deutlich, nicht nervös und ruhig ihr Anliegen vorbringt, dabei immer wieder mit den Augen den Publikumskontakt hält?


Rhetorik lehrt eigentlich nur das, was jeder schon von selbst weiß und in Gesprächen übt. Rhetorik gibt die Regel vor, für den späteren Fall der Anwendung. Weil während der Praxis jedoch kaum Zeit ist, sich der Regel zu erinnern, glauben viele, dass das Reden eine Naturbegabung sei. Sie könnten sich täuschen.


 

 

Definition – was ist Rhetorik?


Die Lehre, eine beeindruckende Rede zu halten, die im öffentlichen oder privaten Raum stattfindet, ist das, womit man heute noch den Begriff Rhetorik verbindet. Dies kann sein: eine private Rede zum 70. Geburtstag. Dies kann aber auch sein: eine öffentliche Rede zur feierlichen Eröffnung eines Einkaufszentrums. Eine sprachliche wie auch organisatorische Leistung ist für diesen Auftritt nötig.


Die sprachliche Leistung konzentriert sich auf: richtige Anwendung der Grammatik der Muttersprache, insbesondere die perfekte Beherrschung der Wort- und Satzlehre. Zielorientierte Abweichung eines grammatikalisch korrekten Ausdrucks, um mehr Wirkung zu entfalten (sogenannte „rhetorische Figuren&ldquo, Begleiterscheinungen ohne Worte (Stimme, Körpersprache) und angemessene Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse (z.B. Zwischenrufe aus dem Publikum). Die hörbaren Worte in einer Rede nennt man „elocutio“, die sichtbaren Bewegungen des Redners auf der Bühne „actio“

.

Die organisatorische Leistung ist die richtige Vorbereitung des Redners durch: Informationsammlung (=inventio), Gliederung (=dispositio), Gedächtnislehre (memoria).


Redner sind zumeist Leute, die öffentlich auftreten: Politiker, Wis-senschaftler, Firmenangestellte, Gewerkschaftsmitglieder, Anwälte, Professoren und Studenten, Lehrer und Schüler. Sie alle eint ein Ziel, sie wollen sprachliche und inhaltliche verstanden werden, das Publikum von ihrer Meinung überzeugen.

Der Begriff Rhetorik lässt sich erweitern als Fähigkeit, ohne Vorbereitung zu einem x-beliebigen Thema Stellung zu nehmen, durch die Beachtung einer richtigen Gliederung und die Beherrschung grammatikalischer Grundregeln. Einen sprachlich überzeugenden Kurzvortrag von drei Minuten Länge sollte für den geübten Redner kein Problem darstellen, wenn das Thema nicht zu hochgestochen ist. „Brauchen wir heute noch das Auto?“ ist eben leichter zu erörtern als „Das Trivium und Quadrivium im Wandel der Jahrhunderte“. .


Die moderne Kommunkationswissenschaft hat herausgefunden, dass 50 Prozent der Sprache in Sätzen eigentlich unnötig ist. Man könnte die Sätze also kürzer sagen, und in eine Art „Telegrammstil“ verfallen.

Über Shannon und Weavers Kommunikationsmodell „Mathematical Theory of Communication“ (1949) schreibt John Fiske (1990):


Redundancy is not merely useful in communication, it is absolutely vital. In theory, communication can take place without redundancy, but in practice the situations in which this is possible are so rare as to be non-existent. A degree of redundancy is essential to practical communication. The English Language is about 50 per cent redundant. This means we can delete about 50 per cent of the words and still have a usable language capable of transmitting understandable messages. (John Fiske, Introduction to Communication Studies, London 1990)


Wer sich als Sprecher jedoch nur auf die reine Informationsbotschaft beschränkt, wird etwas Verblüffendes feststellen: Die Kommunika-tion kommt schnell zum Erliegen. Für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Menschen sind Wiederholungen (z.B. durch Synonyme), Ergänzungen (z.B. durch Höflichkeitsfloskeln) und Zusatzinformationen (z.B. durch Adjektive) unabdingbar. Die Rhetorik versucht, das optimale Verhältnis zwischen prägnanter Kürze und Weitschweifigkeit herzustellen. Auf den ersten Blick macht es vielleicht keinen Sinn, durch rhetorische Figuren absichtlich mehr zu sagen als nötig (Figuren der Zufügung), oder absichtlich viel weniger (Figuren des Weglassens).


Ein Trainer, der zu lange Sätze baut, kommt bei den Seminar-Teilnehmern nicht an: weil diese den Anfang des Bandwurmsatzes mit eingeschachtelten Nebensätzen bereits vergessen haben, wenn der Trainer den Satz beendet. Weil das Ultrakurzzeit-Gedächntis mit seiner Kapazität von 10 bis 20 Sekunden Dauer überfordert ist!


Manchmal erscheint es also zweckmäßig, einen Sachverhalt mit sehr einfachen Worten stark gerafft zu präsentieren. Doch auch die Weitschweifigkeit kann durchaus nützlich sein:


Um den Mechanismus Ultrakurzzeit-Gedächtnis/Kurzzeit-Gedächtnis/Langszeit-Gedächtnis immer wieder in Gang bringen, empfiehlt es sich, ein und dieselbe Information im Verlaufe des Unterrichts mehrmals zu wiederholen. (Michael Birkenbihl, Train the Trainer, Landsberg/Lech 1990)


Rhetorik ist ein System, wie man den bestmöglichen Erfolg für eine bestimmte Redesituation erzielen kann. Es ist zwar keine Garantie dafür, dass sich der Erfolg tatsächlich einstellt, weil noch andere Faktoren eine Rolle spielen: persönliche Fitness während des Auftritts, Machtverteilungsverhältnisse (z.B. Unterbrechungsmög-lichkeit durch eine andere Person), die Zusammensetzung des Publikums. Doch mit der Rhetorik lassen sich die 50 Prozent der Sprache, die neben der eigentlichen Informationsabsicht geäußert werden, am zuhörerfreundlichsten gestalten.

 

 

Was ist noch Rhetorik?

 


Teilgebiete der Rhetorik (z.B. rhetorische Figuren) können auch dazu benutzt werden, andere sprachliche Äußerungen, die zumeist in Textform abgefasst worden sind (z.B. Gedichte / Romane) auf ihre Leserwirkung hin zu untersuchen. Auch Werbungen, Zeitungen, Fernsehen und Film nutzen die Rhetorik, um ihr eigenes Produkt (z.B. einen Werbespot / Zeitungsüberschrift / Fernsehmoderation) besser zu machen. Unternehmen nutzen die Rhetorik im Bereich PublicRelations (Öffentlichkeitsarbeit), wenn bei einem Fehlver-halten (z.B. Lebensmittelskandal) das eigene Image in Gefahr ist oder bei Pressekonferenzen. In Gerichten ist die Rhetorik für die Anklage wie auch Verteidigung unerlässlich, weil ansonsten eine Niederlage droht.

 

Wie lernt man Rhetorik?

Rhetorik lernt man durch die Theorie (Bücher, Seminare, das Studieren von Reden berühmter Persönlichkeiten) und die Praxis (echte Redesituationen). Das System der Rhetorik ist aus der Praxis entstanden, denn das, was bei anderen Rednern zum Erfolg geführt hat, wurde aufgeschrieben, untersucht und schematisch eingeteilt. Dabei kann festgehalten werden, dass sich in den letzten 2500 Jahren nur wenig verändert hat. Anders ausgedrückt: Es gibt zwar neue Gesten des Redners, aber inhaltlich nichts Neues. Durch die Einführung des Mikrophons und den Computerbeamer hat sich die ganze Redesituation äußerlich gewandelt, der Aufbau einer Rede bleibt jedoch gleich.


Während Informationssammlung, Gliederung und Gedächtnislehre sehr schnell gelehrt werden können, weil die Thematik nicht so umfangreich ist, sind die Versprachlichung des Redetextes und die Außenwirkung des Redners Sachgebiete, die nicht an einem Seminarwochenende gelehrt werden können.


Ich will nicht, dass die jungen Leute denken, sie haben eine ausreichende Leistung erzielt, wenn sie diese Kunst nur von einem der kleinen Bücher über Rhetorik erlernt haben, wie sie üblicherweise ausgehändigt werden, und dann sich einbilden, sie wären sicher vor den Regeln einer Theorie. Die Kunst des Sprechens hängt von großer Mühe ab, von ständigem Lernen, von verschiedenen Übungen, von wiederholten Versuchen, von größtmöglichem Scharfsinn, und dem schnellsten Urteil.

(Qunitilian, „Institutio oratoris“, 100 n. Chr)


Wer es richtig beherrschen möchte, aber kaum Vorkenntnisse aus der Schule mitbringt, braucht Monate – also eine viel zu lange Zeit für ein Rhetorikseminar, was ja auch eine Kostenfrage für die Unternehmen ist. Ein verantwortungsbewusster Rhetoriktrainer wird darauf hinarbeiten, dass der Teilnehmer eines Seminars über Rhetorik so angeleitet wird, dass er einen guten Überblick über alle fünf Teilgebiete der Rhetorik bekommt, ihm aber auch klargemacht wird: Den Rest der Wegstrecke musst du allein gehen. Es genügt nicht, dass du dich an einem Wochenende passiv berieseln lässt, und dann den Vorgang ad acta legst; du musst Stimmübungen machen und Redetexte schreiben, Referate vor einem Publikum halten, die Inhalte und Techniken auswendig wissen.


Viele Rhetoriktrainer machen einen eher fiesen Trick: Sie kürzen den Stoff so, dass der Eindruck entsteht, es sei alles abgehandelt. Steht dann der Teilnehmer eines Rhetorikseminars vor dem Ernstfall, ist es häufig so, dass sich der Erfolg nicht einstellen will. Denn Rhetorik ist mehr als die persönliche Bühnendarstellung eines Redners und richtige Gliederung; Rhetorik ist ein hochkomplexes Spiel mit der Sprache, ein keineswegs starres System, das viele Möglichkeiten für die kunstgerechte Verpackung eines Inhalts bietet.

 

 

Rhetorik in diesem Buch

 


Antike Rhetorik (Griechenland, Rom, Mittelalter):

ist die Lehre der Rede.


Rhetorik des 21. Jahrhunderts:


  1. ist eine philosophisch orientierte Argumentations- und Kommunikationstheorie

  2. ist die Rhetorik der Massenmedien und der Werbung, die sogenannte New Rhetoric

  3. ist eine linguistische und semiotisch orientierte Rhetorik

  4. ist ein Persönlichkeitstraining zur besseren Selbstdarstellung, wie Verkaufs- und Manager-Training.


Rhetorik in diesem Buch:


Dieses Buch soll zur Rede anleiten und stellt das Grundwissen über die wichtigsten Techniken aus der Antike und Gegenwart zusam-

men. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Angewandter Rhetorik der heutigen Praxis, d.h. auf zeitgeschichtliches Hintergrundwissen (z.B. welche Körpersprache benutzte ein Römer?) wird nicht eingegangen, ebensowenig auf philosophische Forschungstheorie der Neuzeit (z.B. Strukturalismus und Rhetorik). Kommunikationsmodelle kommen nicht vor, auf Fragen der Ethik (Wann ist ein Redner eigentlich ein guter Redner? Darf ein Redner lügen?) wird keine Beantwortung

gegeben.


Es verhält sich nämlich so, dass es sehr viele gute Abhandlungen zu den erwähnten Themenpunkten gibt, aber kaum eine hinreich genügende zur Angewandten Rhetorik.

Der Verfasser glaubt, dass es besser ist, zunächst den Kernbereich der Rhetorik zu erlernen: rhetorische Sprache, richtige Organisation statt den Außenbereich mit Überschneidungspunkten zu anderen Wissenschaften (Geschichte, Linguistik, Psychologie, Philosophie, Kommunikationswissenschaften) zuerst anzugehen. In diesem Buch wird auch nicht auf Medienrhetorik (Werbung und Film) eingegangen, aber man mit dem Wissen diese entschlüsseln (z.B. bekannte Werbeslogans).


Das Ziel: ein guter Redner, ein guter Verhandlungspartner wollen wir werden. Dafür lesen wir bekannte Ausschnitte von berühmten Reden im Original und lernen dadurch: Alltagsgrammatik, rhetorische Figuren, Affektenlehre.


Lehrbücher zur Rhetorik erscheinen im Fließtext, oftmals mit persönlichem Bezug, wo sich eine Anekdote an die nächste reiht.

Das Verfahren soll Gefühle beim Lesen wecken, weckt aber vor allem Vergesslichkeit. Auch die Schriften antiker Autoren (z.B. Aristoteles, Cicero, Quintilian), aber auch die aus dem Mittelalter (z.B. Notker, Riederer, Erasmus von Rotterdam, Thomas Wilson) haben den Fließtext, sodass sich Leser die Erkenntnisse selbst auspicken muss – ein Verfahren der Umständlichkeit und Langwierigkeit. Ich möchte hingegen den Leser zur Selbständigkeit in allen Bereichen der Rede und des Wechselgesprächs anleiten, die trainiert werden können.


Dieses Buch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist aber durch seine tabellarische Gestaltung eines der ausführlichsten Darstellungen zum Kernbereich „Rhetorik“. Für jemand, der noch gar nichts über den Fachbereich Rhetorik weiß, ist es der ideale Einstieg, weil mit ihm sich das Wissen zu anderen Rhetoriklehr-büchern erschließt, die oftmals zu sehr theoretisieren (wissen-schaftliche Fachbücher der Universität) oder zu sehr vereinfachen (populärwissenschaftliche Bücher). Die Sprache des Buches soll sprachlich nicht wissenschaftlich klingen, inhaltlich nicht populärwissenschaftlich. Der Verfasser dieses Buches hat das Fach „Allgemeine Rhetorik“ an der Universität Tübingen studiert, die einzige in Deutschland, welche einen eigenständigen Magister- Studiengang dafür anbietet. Auch in England hat er Rhetorikseminare an der Universität besucht. Fast alle Rhetoriklehrbücher werden jedoch von Leuten geschrieben, die einen sachverwandten Studiengang belegt haben, z.B. Linguisten / Philosophen / Kommuni-kationswissenschaftler. Beispiele:


Herr M. blickt auf viele Jahre Verkaufs- und Präsentationspraxis zurück und ist auf die Fachgebiete Auftrittskompetenz und Kundenaquisition und –entwicklung spezialisiert; Herr P. ist Leiter des Arbeitsbereichs Sprecherziehung an der Universität G.; Herr K. ist Koordinator an einer berufsbildenden Schule und Autor von Fachbüchern und in der Lehrerfortbildung tätig; Herr S. vertritt den DGB in bildungspolitischen Gremien; Herr G. studierte Linguistik und arbeitet als Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber; Herr S ist Diplom-Kaufmann und Diplom-Politiloge und arbeitete als Projektleiter, Markentingreferent, Schulungsplaner, Human Resources Manager; die Autoren B., F. und H. sind Mitglieder im Bund deutscher Verkaufstrainer; Herr B. hat sich nach Jahren der Geschäftsführertätigkeit nun selbständig gemacht; Herr K. ist Pädagoge mit dem Schwerpunkt betriebliche Weiterbildung”; Diplom-Kaufmann R. hat ein Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und eine rhetorisch-pädagogische Ausbildung absolviert; Herr Dr. S. hat Germanistik, Philosophie und Romanistik in Zürich und Paris studiert.


Das macht diese anderen Bücher inhaltlich nicht notwendigerweise falsch, führt jedoch oftmals dazu, dass eher unwichtige Dinge (z.B. Kommunikationsmodelle) ausführlich abgehandelt, dafür wichtige Dinge (z.B. die Produktionsstadien einer Rede) nur kurz abgehandelt werden. Auch handelt es sich hierbei oftmals um Etikettenschwindel: zwar steht auf dem Sachbuch in überdimensionalen Buchstaben „Rhetorik“ drauf, weil es sich dann besser verkauft. Es ist aber kaum oder gar keine Rhetorik darin. Hier wird oftmals alter Wein in neue Schläuche gegossen – der Autor verspricht dem Leser eine „völlig neue Rhetorik“, die klar Abstand zur antiken Rhetorik nimmt. Und was bietet man uns an? Eine lachhafte Zurschaustellung rhetorischer Figürchen, gekleistert aus Anapher, Epipher, Parallelismus, Anekdote und Metapher. Man stelle sich vor: Von den 200 sprachlichen Möglichkeiten behandelt man im Schnellverfahren 5 Figuren! Wow! Das ist, wie wenn man ein Sportauto aus nur einem Außenspiegel und vier Reifen zusammenbauen will. Hier kann man schrauben, wie man will, aber das Auto wird nie fahren. Er habe die teuersten Rhetorikseminare besucht, die es in der Schweiz und Deutschland gibt, schreibt der Autor. Wir merken: teuer = gut = richtig. Doch dass Rhetorikseminare oftmals nicht von studierten Rhetorikern gehalten werden, die zudem mit reißerischen Titeln „Verbotene Rhetorik“ , „Schwarze Rhetorik“ aufwarten, sollte eine erste Warnung sein.


 

Probleme der Rhetorik

Die Wissenschaft zur Rhetorik hat es bislang versäumt, die lateinischen und griechischen Begriffe abzuschaffen und durch allgemeinverständliche deutsche zu ersetzen. Es ist schon fast so, als läse man in einer noch alten lateinischen Bibel ohne deutsche Luther-Übersetzung. Teilweise gefällt man sich auch in dieser Unverständlichkeit, und wer nicht Latein oder Griechisch kann, aus dem wird auch nie ein guter Rhetoriker werden.


Diese Ansicht ist: falsch. Sie ist schon allein deshalb falsch, weil unsere eigene Muttersprache so viele passende Ausdrucksmöglich-keiten für all die griechischen und lateinischen Fachbegriffe bereitstellt. Man kann auf sie verzichten, und wir werden hier größtenteils auf sie verzichten. In der Angewandten Rhetorik ist nämlich nicht entscheidend, ob ich den richtigen Fachbegriff kenne, sondern ob eine bestimmte Technik zum passenden Zeitpunkt verwendet wird. Von den ca. 200 Möglichkeiten, die mir bei jedem Satz zur Verfügung stehen, denn wir können den Satz ja umstellen, Wörter im Satz austauschen, Wörter im Satz wiederholen oder den Satz ganz knapp halten, werden wir schon viele kennen, sodass sich der Lernaufwand in Grenzen halten wird. Die meisten Leute verwenden ständig rhetorische Figuren, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie schnappen das Rhetorische in Filmen auf, sie hören das Rhetorische abends in Kneipen, sie lesen das Rhetorische in Zeitungen oder hören es in der Werbung. Sie hören das Rhetorische in den Statements der Politiker und ja, auch in den Abendnachrichten ist das Rhetorische stets präsent. Ein bisschen färbt davon auch auf das eigene Ausdrucksvermögen ab.


Dennoch sind viele Leute unzufrieden mit ihrer Sprache. Man wäre so gern bissig witzig, vielleicht wie Harald Schmidt; man wäre so gern schlagfertig, besonders bei Beleidigungen. Und wenn man dann vor versammelter Mannschaft den Mund aufmachen soll, kommt nichts als ein verlegenes Räuspern. Ein steifer Blick aufs Blatt. Wer in einer Redesituation unzufrieden mit sich ist, hat oft übergeordnete Ziele, die mit der eigentlichen Redesituation nichts zu tun haben. Werden Leute unverhofft mit einer Fernsehkamera interviewt, so versuchen sie oft besonders witzig zu wirken. Verlieren Leute vor der Gruppe den Faden, wird ihre Aufmerksamkeit während des eigenen Redens von etwas anderem abgelenkt. Von allen Leuten gemocht und respektiert werden, von allen bewundert und als intelligent angesehen werden, das wünschen sich viele Menschen, die für eine kurze Zeit im Rampenlicht einer Präsentation stehen müssen. Schon allein das sind Ziele, die unrealistisch sind.



Definition – was ist Grammatik?

Grammatik ist die Lehre von der korrekten Anwendung der Muttersprache. Grammatik untersucht die verschiedenen Wortarten (Verb, Substantiv, Adjektiv...) und Satzarten (Hauptsatz, Nebensatz und Unterformen). Sie ist ein elementarer Baustein für Rhetorik wie auch Dialektik. Ein Redner muss z.B. in der Lage sein, in einer hohen Geschwindigkeit sprachliche Möglichkeiten der Grammatik, wie ein Sachverhalt ausgedrückt werden kann, auszuwählen und hierbei die bestmögliche Lösung zu finden, zur Not auch einen falsch begonnen Satz richtig zu Ende zu führen.

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Grammatik in diesem Buch


Dieses Buch soll nur die Kenntnisse über Grammatik bereitstellen, die für eine wirkungsvolle Rede in allen Stilarten wie auch für die Wechselrede nötig sind. Es ist keine Zusammenstellung über Rechtschreibregeln. Damit verfolgt dieses Buch einen revolutionären Ansatz – denn in Rhetoriklehrbüchern wird die Grammatik still-schweigend vorausgesetzt, während der Verfasser davon ausgeht, dass sehr viele Menschen nur ein limitiertes Set an sprachlichen Ausdrucksformen zur Verfügung steht. In diesem Buch werden Regeln für die deutsche Grammatik formuliert, weil es bis jetzt kaum grammatikalische Regeln für Reden gibt, und wenn es sie gibt, so nur sehr vage.


Der Verfasser dieses Buches hat große grammatikalische und didaktische Erfahrung, weil er auch „Deutsch als Fremdsprache“, „Latein“ und „Englisch“ unterrichtet.

 

Definition: Was ist Dialektik?


Dialektik ist die Lehre von der Wechselrede, dem Dialog. Sie beinhaltet die Fähigkeit, einen Kommunikationspartner richtig einzuschätzen und die eigenen sprachlichen Äußerungen so abzustimmen, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird, das entweder gemeinsam oder gegen den anderen gerichtet ist. Das Ziel ist zumeist ein Verhandlungsergebnis. Unternehmen nutzen die Dialektik, um die richtigen Bewerber für eine Stelle auszuwählen (Vorstellungsgespräch), aber auch um Mitarbeiter zu führen. Mitarbeiter nutzen die Dialektik, um hauseigenen Produkte zu verkaufen oder in Verhandlungen mit Kooperationspartnern (z.B. Zulieferer) zu treten. Ziel der Dialektik ist die Steuerung des Gesprächspartners, jedoch nicht die Massenkommunikation.


Dialektik in diesem Buch

Antike Dialektik:


ist die Lehre der Begriffsdefinitionen und des Wechselgesprächs, um die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Ansicht zu prüfen.

Dialektik des 21. Jahrhunderts:


  1. ist eine philosophisch orientierte Argumentations- und Kommunikationstheorie

  2. ist ein Persönlichkeitstraining zur besseren Selbstdarstellung, wie Verkaufs- und Manager-Training


Dielektik in diesem Buch:


ist die Lehre, wie man faire Gespräche gestalten kann. Durch bestimmte Techniken ist man aber auch in der Lage, auf unfaire Verhaltensweisen des anderen zu reagieren (Schlagfertigkeit zu erlangen). In den meisten Büchern zur Dialektik wird mit auswendig gelernten Sprüchen gekontert, was nur wenig effektiv ist. Der Verfasser geht davon aus, dass durch Grammatik eine universale Möglichkeit gegeben ist, einen Angriff weich und überraschend abzufedern. Dafür ist jedoch auch eine genaue Kenntnis der rhetorischen Figuren nötig.

 

     

In der untenstehenden Tabelle finden Sie die die klassische Einteilung, wie ein Redner vorzugehen hat. Wir werden uns mit dem dritten Punkt, der elocutio, zuerst beschäftigen, da er am längsten Zeit in Anspruch nimmt.


Sammeln von Information (inventio)

Ungeordnete Stichwörter zu einem Thema entwerfen, die Masse zählt vor der Qualität. Hierfür gibt es bestimmte Brainstorming-Techniken. Aber auch das Anlesen in Fachbüchern, das Markieren in den Texten, das Sammeln von Zitaten gehört hierzu.

Anordnung von Information (dispositio)

Die qualitativ besten Stichwörter werden in eine bestimmte Ordnung gebracht, sodass später ein Publikum überzeugt werden kann. Hierfür gibt es die Einteilung in pro- und contra, in starke und schwache Argumente. Auch die Einteilung der Rede (Einleitung, Hauptteil, Schluss) gehört hierzu. Hierfür muss man die wichtigsten Argumentationsarten kennen.

Aufschreiben der Rede (elocutio)

Die Stichwortargumentationen werden in rednerische Sätze gepresst, die möglichst einheitlich zu einer bestimmten Stilart gehören: hoch (viele Fremdwörter, lange Sätze, eher leblose Sprache, sehr komplizierter Satzbau, viele rhetorische Figuren / Bsp: politische Rede / Lobrede auf einen verstorbenen Dichter) mittel (gelegentlich Fremdwörter, kurze Sätze, lebendige Sprache, kaum rhetorische Figuren / Bsp: vorbereites Referat an der Universität / Wirtschaftsseminar) niedrig (keine Fremdwörter, kurze Sätze, bildliche Sprache, praktisch keine rhetorischen Figuren außerhalb der normalen Sprechweise / Bsp: in der Grundschule / spontan gehaltene Rede).


Dies ist der schwierigste und anspruchvollste Teil der Rede: Ein Redner sollte neben der normalen Grammatik (Wortarten, Satzarten) auch die rhetorische Figuren mit einer bestimmten Wirkung auf sein Publikum kennen, die sich nicht nur auf einzelne Sätze, sondern auch auf ganze Redeabschnitte beziehen können. Um aber wirkungsvoll reden zu können, auch im niedrigen Sprachstil, muss wenigstens ein Grundwissen über Grammatik vorhanden sein. In fast allen Rhetorikseminaren wird auf die Grammatik überhaupt nicht eingegangen (Teil des Deutschunterrichts an der Schule) und nur ein paar wenige rhetorische Figuren (Metapher, Ironie) werden erklärt. Leute mit schlechter Vorbildung (die Nicht-Gymnasiasten) sind also klar im Nachteil zur gebildeten Schicht (Gymnasiasten, Universität, Führungskräfte in Unternehmen), die aber auch viele grammatika-lische Defizite hat.

Einprägen der Rede (memoratio)

die fertig aufgeschriebene Rede wird so gut wie möglich auswendig gelernt (eher auswendig gesprochen), sodass der Redner später nur noch selten auf Blatt schauen muss. Hier muss mit der Uhr gearbeitet werden, damit die vorgegebene Redezeit nicht überschritten wird. Auch die Konzeption des Manuskripts gehört in diesen Bereich. Es gibt bestimmte Gedächtnistechniken für „Eselsbrücken“ (die bei einer längeren Rede aber nur selten zum Erfolg führen). Wenn der Redner die Grammatik beherrscht, kann er sich sogar von seinem Blatt entfernen und spontan eigene Sätze bilden. Die meisten Rhetorikseminare erklären hier nur die Gestaltung des Manuskripts.

Vortrag der Rede (actio)

der Redner führt seine Rede sowohl mit mit guter Betonung als auch dem gewinnenden Einsatz von Körpersprache vor einem Publikum vor. Die meisten Rhetorikseminare konzentrieren sich fast nur auf die actio(Vortrag vor Teilnehmern) und disposito (Redearten, Anordnung der Information). Trainer werfen ihre Teilnehmer ins „kalte Wasser“, d.h. unvorbereitet und ohne jede Zeit zum Einprägen des Kurzvortrags sollen die Leute vor Publikum „zielwirksam“ sprechen. Wer die Grammatik hier nicht beherrscht, wird eher auf seinem Blatt kleben, und bei einem Publikumseinwand (z.B. Professor, der seinen Studenten korrigiert) ausweichend und wenig überzeugend antworten können.



Vorab zwei Kurzzitate:



Römischer Senat



Es ist dem römischen Senat gemeldet worden, dass es Menschen gibt, die eine neue Art von Fach unterrichten, man versammelt sich zu irgendeiner Entdeckung beim sprachlichen Spiel; sie haben für sich selbst den Titel "Latenische Redelehrer" in Anspruch genommen. Dass dort junge Menschen den ganzen Tag untätig herumsitzen. Unsere Vorfahren, die ihre Kinder lernen lassen wollten, bildeten sie aus. Diese neue Sachen, die an dem Brauch und der Sitte der Vorfahren vorbei entstehen, gefallen weder noch erscheinen sie richtig. Warum haben sie diese Spiele, und warum pflegen sie dorthin zu kommen? Es scheint nötig zu sein, dass wir ihnen unsere Meinung zeigen, dass es uns nicht gefällt“.

Sueton – de rhetoribus

3.10.13 10:31, kommentieren

181 rhetorische Figuren, die jeder kennen sollte

 

Insgesamt:

181 verschiedene

rhetorische

Figuren

Rhetorische Figuren, die jeder kennt: (102 verschiedene sprachliche Ausdrucksmittel, um einen Satz neu zu formulieren, sodass seine Wirkung anders wird)

Ich erzähle dir einen Witz“ (Aussagesatz)

Das Beiwortgegenteil

Ich erzähle dir einen tieftraurigen Witz

Der Aussageunsinn

 

Ich erzähle dir einen Witz, der nicht lustig ist, also lach laut!

Die unnötige Beiwortzufügung

Ich erzähle dir einen witzigen Witz / Ich erzähle dir einen lustigen Witz.

Der Stilbruch

Ich erzähle dir eine Witz, der superscheißengut ist

Das veraltete Wort

Ich erzähle dir einen Kalauer / Ich erzähle dir eine Zote

Das topmoderne Wort

Ich erzähle dir eine total hammergeile, abgefahrene Lachsalvenstory

Das Fremdwort

Ich erzähle dir einen etwas frivolen Witz

Die Begriffsumschreibung

Die Frau erzählt etwas, das man normalerweise sagt oder tut, um andere Leute zum Lachen zu bringen

Euphemismus: Die Dame erzählte einen äußerst humorvollen Beitrag zur allgemeinen Geselligkeit

Aischrologie/Pejoration: Diese blöde Zicke schwatzte vielleicht einen unlustigen Unsinn mit diesem Witz

Die Begriffsverneinung

Ich erzähle dir einen nicht schlechten Witz

Der Prominentenspitzname / Adeltstitel

Ein neuer Otto, der diesen Witz erzählt hat!

Die Vermenschlichung (lebloser Dinge)

Der Witz lachte schallend über sich selbst und japste errötet nach Luft

Die Extrabetonung

Es ist doch nur ein Witz!

Die Großübertreibung

Mein nächster Witz ist so gut, dass Ihr noch Jahre davon erzählen werdet

Das Gemeinte-Gegenteil

Mein nächster Witz ist genauso schlecht wie der vorherige, also bitte nicht mehr lachen

Die gedachte Wortergänzung

Ich erzähle dir jetzt einen weiteren.

Der Bildsprung

Ich erzähle dir jetzt einen Lachmuskelkitzler, wie du ihn noch nie gehört hast

Das Bilderrätsel

Ich erzähle dir jetzt einen Fluss der feingeistigen Worte, der nach dem Höhepunkt Frohsinn und Entspannung verspricht

Der Beiwortausruf

Oh, lustiger Witz! Oh, schöne Freude!

Die Zeitvertauschung

Nachdem das Publikum schallend gelacht hatte, erzählte der Redner seinen ersten Witz

Die Beiwortvertauschung

Der lustige Redner erzählte einen jungen Witz

Die Wortfolgeumstellung

Des Redners Witz ist eine seltene Gabe

Der doppelte Bildvergleich

Witz und Lachen sind wie ein Handschlag mit dem Glück

Der Finalsatzvorteil

Nicht um selbst darüber zu lachen erzähle ich diesen Witz, sondern damit andere lachen

Der Satzabbruch

Es ist mein erklärtes Ziel, nun einen Witz – aber vielleicht sollte ich Ihnen erst erklären, was überhaupt den Witz in uns auslöst...

Die Satzteilauslassung

Nun ein Witz: Alle mal lachen!

Die Bindewortauslassung

Ich erzähle dir einen guten, schönen, echt famosen Witz

Die Bindeworthinzufügung

Ich erzähle dir einen guten und schönen und echt famosen Witz

Der Aufzählungsstörfried

Ich bin für freie Liebe, Flowerpower, Händchenhalten, Ringelreih und mehr Witze.

Die Anfangsbuchstabenwieder-holung

Ich erzähle dir einen wunderbaren Witz.

Die Neukasus-Wortwiederholung

Der Witz an diesem Witz scheint wohl zu sein, dass man den Witz nicht unbedingt lustig findet

Die Wortfamilie

Ich witzele dir jetzt einen witzigen Witz

Die Wortwiederholung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz, einen Witz, also aufgepasst!

Die satzverknüpfende Wort-wiederholung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz. Der Witz ist echt gut.

Die Satzanfangswiederholung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz. Ich erzähle dir noch sehr viel mehr davon, wenn er dir gefällt.

Die Neusinnwortwiederholung

Dieser Witz bringt mich zum Lachen, bringst du mir noch eine Cola?

Das Wortspiel

Über diesen Witz muss man einfach lachen, da kann man nichts dagegen machen

Die Satzendewiederholung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz. Vielleicht erzählt ja noch jemand anderes in dieser Runde einen Witz.

Die Satzanfangssatzendewieder-holung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz. Hast du gehört? Ich teile mit dir meinen allerbesten Witz.

Die kommaverknüpfende Wortwiederholung (Höhepunkt)

Ich erzähle dir jetzt einen Witz, der Witz muss dich einfach zum Lachen bringen, vom Lachen soll dir der Bauch platzen!

Satzumrandungswiederholung / Wortumrandungswiederholung

Dieser Witz! Ich muss wirklich über ihn lachen. Dieser Witz!

Witzig Lacher witzig!

Die Wortgleichheitsanhäufung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz, einen Kalauer, eine Zote, eine ulkige Story, einen absoluten Unsinn

Die Einspruchsverhinderung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz, jawoll, mein Lieber, einen Witz! Da kannst du gar nichts dagegen machen.

Die Satzwiederholung

Dieser supergeile Witz! Ich musste wirklich über ihn lachen. Dieser supergeile Witz! So habe ich schon lange nicht mehr gelacht. Dieser supergeile Witz! Der war mal richtig gut. Dieser supergeile Witz!

Die Wortwiederholung mit Beiwortzufügung

Ich erzähle dir jetzt einen Witz, einen echt guten Witz

Die Aufzählungsanhäufung

So viele Witze, die noch auf ihre lachende Abnehmer hoffen - Witze über Blondinen, Witze über Chefs, Witze über Ölscheichs, Witze über Ärzte, Witze über Nationen.

Rhetorische Fragen

 

 

ungeduldig

nachdrücklich

Befehl

an sich selbst

zweifelnd

 

 

 

 

zeitgewinnend

 

moralisch

 

 

ausrufend

 

 

 

 

Wie lange sollen wir noch bis zum nächsten Witz warten?

Ist es richtig, dass wir jetzt einen Witz hören?

Wer wird wohl ernsthaft bestreiten, dass dieser Witz sehr gut war?

 

Aber warum erzähle ich diesen Witz überhaupt? Ich sehe, es gibt einige im Publikum, die nicht darüber gelacht haben.

 

Soll ich nicht doch besser aufhören, einen neuen Witz zu erzählen?

Ich frage Sie: Als ich den ersten Witz erzählt habe, ging es Ihnen da besser oder schlechter?

 

Ist es gerecht, wenn die linke Seite der Halle über diesen Witz lacht, die rechte Seite der Halle sich aber in Schweigen hüllt?

 

Du meine Güte! Wann setzt sich bei Ihnen endlich die Überzeugung durch, dass man über Witze lachen sollte?

 

Der Direktangriff

Seien wir doch ehrlich: Die Leute in diesem Publikum, also Sie, sind viel zu langweilig und bieder und konservativ, um über diesen Spitzenwitz lachen zu können. Ein solches Publikum habe ich nicht verdient.

Gegenargumentsvorwegnahme

Zwar kenne ich ihre Bedenken, über Witze zu lachen, aber ich kann Ihnen versichern, dass dieser nächste hier echt lustig ist.

Der Überraschungseinfall

Da kommt mir einmal... eigentlich wäre jetzt ein Witz angebracht. Was halten Sie davon?

Das Gemeinte-Gegenteil

Ich werde mich natürlich lächerlich machen, wenn ich diesen Witz erzähle, sie können das sicherlich viel besser als ich.

Der Verschweigungsschrei

Ich will hier lieber nicht erwähnen, dass es in diesem Publikum auch äußerst humorlose Menschen gibt

Die satzverknüpfende Wortwiederholung (mehrfach)

Ich erzähle dir jetzt einen Witz. Der Witz ist echt gut. Gut finde ich auch solche, die mit einem Wortspiel zu tun haben. Hast du eigentlich überhaupt Bock, einen Witz zu hören? Hörst du mir überhaupt zu?

Das Aufleben eines Publikums-lieblings

Was würde wohl Otto zum nächsten Witz sagen? Ich bin mir sicher, wäre Otto leibhaftig in diesem Raum, er würde sich nicht scheuen, ihn selbst erzählen zu wollen.

Die Publikumsspaltung / die Publikumsneuorientierung

Der folgende Witz ist nur für die Frauen im Publikum. Liebe Frauen, habt ihr euch eigentlich schon einmal überlegt, wie die Welt ohne euch wäre?...

Das Redezeitbeschränkungs-versprechen

Meine Damen, meine Herren, ich will ihre Aufmerksamkeit für den nächsten Witz nicht zu lange in Anspruch nehmen.

Die Bescheidenheitseinführung

Eigentlich kann ich ja gar nicht so gut Witze erzählen, aber ich will's versuchen, auch wenn's vielleicht nicht gelingt.

Die Publikumsansprache

Meine Damen, meine Herren! Ich glaube es ist Zeit für einen Witz. Meine Damen, meine Herren! Was halten Sie davon?

Der Publikumsentscheid (zwei Wahlmöglichkeiten)

Wollen Sie die gestrigen Aktienkurse hören oder einen neuen Witz? Die Hand bitte heben, wer jetzt alte Aktienkurse hören will.

Die Wichtigkeitserinnerung

Der nächste Witz betrifft uns alle, also gut aufpassen!

Das Sprichwort

Ein guter Witz erreicht mehr als tausend Geschenke

Die Fabel

Eine alte Krähe saß mit einem Stück Käse auf einem Baum. Da kam ein Fuchs vorbei und sagte: Oh, Krähe, gestatte, dass ich dir einen Witz erzähle, wie es gute Freunde einander tun. Nachdem die alte Krähe lautstark über den Witz des Fuchses lachen musste, fiel das Stück Käse aus ihrem Schnabel direkt vor den Fuchs, der es gierig mitnahm und sagte: Wer bei einem Witz übrigens nicht lacht, lacht am allerbesten.

Das Kosewörtchen

Ich erzähle dir ein Witzchen.

Die Verbwiederholung

Ich erzähle dir einen Witz und erzähle dir noch sehr viel mehr.

Die Begriffszerspaltung / Die Begriffsausdehnung

Ich erzähle dir eine Pointe (Teil fürs Ganze / die Pointe ist Teil des Witzes)

Ich erzähle dir ein bisschen Humor (Ganze für den Teil / der Witz ist Teil des Humors)

Ich erzähle dir einen über Blondinen (das Spezielle fürs Allgemeine / Blondine ersetzt Witz)

Ich erzähle dir eine lustige Geschichte / ein paar lustige Worte (das Allgemeine fürs Spezielle / lustige Geschichte/lustige Worte ersetzt Witz)

Nebensatzreihung

Während ich dir diesen Witz erzähle, hörst du mir zu.


Ich erzähle dir diesen Witz und du hörst mir zu.

Der Einschub

Das ist – frei herausgesagt – mein allerbester Witz gewesen.

Aufzählungsstörfried

Ich erzähle dir einen kleinen Witz und mein ganzes Leben.

Symbolhaftes Bild ohne tatsächlichen Bezug

Ich erzähle dir einen funkelnden Stern des Humors

Symbolhaftes Bild mit tatsächlichem Bezug

Die Pappnase erzählt den Witz. (Pappnase = Komödiant)

Geschmackssinnrichtung

Dein Witz schmeckt abgestanden und klingt langweilig und riecht nach Plagiat und fühlt sich spießig an und sieht erbärmlich aus.

Vergleichssatz

Dieser Witz ist so alt wie Methusalem

Anspielung, ohne es auszusprechen

Du weißt ja, wen ich mit diesem Witz meine.

Anruf

So glaub mir doch! Das ist kein Witz gewesen.

knackige Kurzsentenz

Wer diesen Witz nicht hören will, muss ihn fühlen.

Redeabbruch

Ich könnte dir jetzt auch die Pointe des Witzes erzählen, aber...

Lautklangmalerei

Ich erzähl dir jetzt einen hahaha! Da macht es schüttel-schüttel in eurem Bauch.

Endsilbenverzicht

Ich erzähl‘ dir jetzt einen Witz

Anfangssilbenverzicht

´s ist ein guter Witz.

Mittelsilbenverzicht

Ich erzähl dir jetzt ein kleines Witz’en.

Bildersprung

Wenn alle meine Witze treffen, seid ihr tot.

Substantiv ohne Adjektiv

Das ist vielleicht ein Witz!

Kreuzreim

Der Witz war lang, und kurz die Freude.

Der Witz war lang und gut, kurz und heftig die Freude.

Gleichklang der Satzglieder in aufeinanderfolgenden Sätzen

Der Witz war lang. Die Freude war kurz.

Der Witz war lang und gut. Die Freude war kurz und heftig.

Gegenüberstellung von Begriffspaaren

Der Witz war lang, die Freude daran kurz.

Der Witz war lang und gut, die Freude kurz und heftig.

Der Witz und die Freude sind wie der leerer Bauch und die Mahlzeit

Falsche Chronologie

Das Publikum lachte schallend, bevor der Redner den ersten Witz erzählte.

Zwei bedeutungsgleiche Wörter hintereinander

Der Witz ist lustig und humorvoll


Rhetorische Figuren, die nicht unbedingt jeder kennt: (52 weitere Möglichkeiten, sich mit Sprache auszudrücken)

Adynaton

“Die Welt geht schon eher unter, als dass ich euch noch einen weiteren Witz erzähle…”

Akrostichon

Wunderbares in teurer Zeit erfolgreich = WITZE

Ambiguität

Wirklich witzig (witzig oder nicht?)

“Thatcher gestürzt” (ist sie die Treppe heruntergefallen oder politisch?

Anagramm

Reh-Erotik = Rhetorik

Antilabe

SPRECHER 1: ”Im folgenden Beitrag...” / SPRECHER 2: “...möchten wir sie darüber informieren...” SPRECHER 3: “dass sie einen neuen Witz verdient haben”

Antitheton

“Das wird gleich witzig, nicht langweilig werden.”

Apokoinu

“Was dieser Witz erreicht, das sind Leute, alles was hier versammelt ist.“

Aposiopese

“ Ihr wollt also...” (PAUSE). “Habt ihr euch das auch gut überlegt?”

Assonanz

“Hitz‘, schwitz, Witz!” / “Hitzel, schwitzel, kitzel – ´n neues Witzel!”

Bathos

“Der nächste Witz zerstört alle bekannten Politiker und meine Bürgerrechte”

Binnenmajuskel

“WitzeErzähler” “TürSchlossEnteiser” “GepäckTräger”

Brachylogie

“Dieser Witz gefällt dem Publikum, das Eintrittsgeld dem Kabarettisten”

Buchstabendre-her

“Ihc ezrähle dri enien Wizt” (erster und letzter Buchstabe des Wortes sollten wie das Ursprungswort sein)

oder:

Mikroständfoner = Mikrofonständer

Captatio benevolentiae

“Meine Damen und Herren, ich freue mich in Ihrer Stadt zu sein und Ihnen diesen ersten letzten Witz erzählen zu dürfen …”

Chiffre

“Rolltreppe” als Chiffre der Entfremdung in der Großstadt

Chrie (Ethos)

“Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.”

Contradictio in adjecto

“bitterernster Witz” “gerade Kurve”, “gemahlene Kaffeebohnen im Originalzustand”

Diärese

“Vide’ofilm.”

Enjambement

“Die Witze schaukeln / das Publikum weit aufs Meer hinaus / sein Boot kentert / das Publikum ertrinkt auf hoher See zuhauf”

Enumeration

“die guten, die schlechten, die lustigen und die langweiligen Witze habt ihr euch durch diesen müden Beifall gebührend verdient”

Epiphrase

“Das ist ein wirklich toller Witz und super.”

Exclamatio

“Lacht gefälligst!

Exemplum

“Hierzu werfen wir einen Blick auf die Vereinigten Staaten von Amerika, wo solche Witze eine lange Tradition im Parlament haben.”

Floskel

“Ein echter Mann darf nicht weinen, nicht einmal bei seiner Geburt.”

Hiatus

“Witzeerzähler” “Kooperation” / “böse Erde” “hungrige Elefanten”

Homoioteleuton

“es ist vollbracht um 8 vor Mitternacht. Nun lacht!”

Homoioarkton

Wirklich wunderbare Witze wollen wir wenigstens wervnünftig witzeln.

Idyll

Ein Bilderbuchfamilie von Vater, Mutter, Sohn, Tochter picknickt bei strahlendem Sonnenschein auf einer traumhaften Wiese, in der Ferne schneebedeckte Berge” / “Zwei junge Ehepaare spielen Beachvolleyball am Strand”

Inflektiv

“stöhn”, “seufz”; “ächz”

Inkonzinnität

“Ich laufe also durch die Stadt und da sah ich sie und mich durchfährt ein Blitz und dann hatte ich mir gedacht, sie wäre eigentlich genau die Richtige für mich, da hat sie sich umgedreht, ich bin dann schnell weiter, weil sie halt zirka 40 Jahre älter als ich gewesen war...”

Interjektion

“Autsch” “Aua” “Hatschi” “Ah!”; “Oh!”

Kompositum

“Gepäckträgerhalter”; “Berufsunfähigkeitszusatzversicherung” “Witzeerzähler” “Talsohle”

Konzinnität

“Ich laufe also durch die Stadt und da sehe ich sie und mich durchfährt ein Blitz und denke mir, sie ist genau die Richtige für mich, da dreht sie sich um, ich bin dann schnell weiter, sie ist schließlich 40 Jahre älter als ich.“

Montage

Aus “Euro” und “teuer” =“Teuro”, aus DFB-Elf und helfen: “DFB, helf!”, aus Witzereißer “Witzescheißer”, aus Partei “Partyei” (siehe auch Paronomasie)

Palindrom

“Lasttier” = Tierlast;

Einen Witz dir erzähle ich = Ich erzähle dir einen Witz.

Parenthese

Dieser Witz war – wer wird das bestreiten wollen – unnötig.

Pluralis auctoris

“Über diesen Witz haben wir nun alle schallend gelacht, ich erzähle ihnen gleich einen neuen, das wäre doch gelacht.”

Pluralis maiestatis

“Wir, der Komikerkönig Rudolf von Humorsburg, nehmen die Krone und das Zepter an und schwören Ihnen feierlich einen Eid auf die Verfassungsvermassungsvermarktungsverlachung...

Pluralis modestiae

“Den letzten Witz haben wir uns wirklich gut erzählt.”

Redundanz

“das musste einmal gesagt werden, das lag mir schon lange auf der Zunge” / “Ich fuhr im Auto durch die Stadt, zuerst den Zündschlüssel rein, dann den Gang eingelegt, den Gurt angelegt, dann die erste Rechtskurve, dann die nächsten zwei Linkskurven, dann Vorfahrt gewährt, schließlich an der Ampel stop und warten, bis die Ampel wieder auf “grün” steht. Dann in den ersten Gang geschaltet, dann in den zweiten, dann in den dritten, bis ich schließlich zum Energiespargang kam. Passiert ist eigentlich nichts, als ich so durch die Stadt fuhr. Aber ich stehe jetzt hier auf der Bühne und muss ja etwas für mein Geld tun. Ich hoffe, Ihnen ist jetzt nicht langweilig.”

Sarkasmus

‚Natürlich interessiert mich Ihre Geschichte, wie sie durch die Stadt gefahren sind! Bitte noch mehr davon!”

Solözismus

Wir alles kann außer Hochdeutsch

Stichomythie

SPRECHERIN 1: “Und nun ein Witz.” SPRECHER 2: “Der wird sie umhauen.” SPRECHERIN 1: “Er handelt von einer Frau.” SPRECHER 2: “Nicht nur von einer Frau, auch von einem Mann, Blödmann!” SPRECHERIN 1: “Ich bin kein Blödmann, und wenn, dann schon eher ´ne Blödfrau.” SPRECHER 2: “Gut, Frau Blöd, schön Sie kennenzulernen. Der Witz handelt übrigens von Ihnen.”

SPRECHERIN 1: “Nicht nur von mir, auch von Ihnen, Herr Unverschämt.” SPECHER 2: “Ich bin nicht unverschämt.” SPRECHERIN 1: “Aber schämen sollten Sie sich, schämen Sie sich denn nicht eine Frau, eine wunderschöne und nette und liebe und intelligente Frau so zu beleidigen?” SPRECHER 2: “Um die Sache kurz zu machen – dieser Witz handelt von uns, von unserer Ehe! Unserer gescheiterten Ehe.”

Symbol

“weiße Taube” = Frieden; “rotes Herz” = Liebe; Kreuz = Christentum; fünf Ringe = Olympia; Zunge raus = Ätsch!; Kreis mit Pfeil nach oben = Männer (Toilette); Kreis mit Pfeil nach unten = Frauen (Toilette)

Tetrakolon

“laufen, schnaufen, saufen, raufen”

Trikolon

“Veni Vidi Vici”; “krachen, machen, lachen!”

Trikolon in membris crescentibus

: “Ich lache, heule, sterbe über diesen letzten Witz.”

Variation

Ich rauche nicht, weil es ungesund ist. Ich paffe keine Glimmstengel, da es andere Möglichkeiten gibt sich zu beschäftigen. Ich kaufe keine Kippen, denn Zigaretten sind nicht mein Ding. Der nächste Zigarettenladen kriegt nicht mein Geld, schließlich ist’s verdammt teuer.”

Verdinglichung

Der Redner druckt eine neuen Witz aus seiner Brainstorming-Festplatte”; “der Mann zerspringt klirrend in tausend Stücke.”

Vergleich

“dumm wie ein Esel”; “stärker als Herkules”

Vulgarismus

“Beim nächsten Witz bepisst ihr euch vor Lachen.”

Zynismus

(An eine Person gerichtet):

“Na, haben Ihnen die vielen Witze zu Ihrer Person gefallen? Soll ich dem versammelten Publikum noch mehr Witze erzählen, die zeigen, wie trottelig Sie sind?”


Rhetorische Figuren für Fortgeschrittene, die kaum jemand kennt: (27 weitere Möglichkeiten, sich mit Sprache auszudrücken)

Buchstaben-Chiasmus

Ich halte euch heute eine erfolgreiche Elefantenrede: neuen Namen, niederträchtigen Neologismen. Witz und Zeit und Time und Erfolg und Gier. Seid ihr bereit?

h-h-h-h-e-e-e: n-n-n-n-n. Z-z-t-T-e-E-g-G.

Detailüberfrach-tung/ Zahlverwirrung:

Ich erzähle dir jetzt einen neuen Witz in einer Zungen-Sprechgeschwindigkeit von 120 Wörtern pro Sekunde, mit einer Länge von insgesamt 768 Wörtern, davon 59 Verben, 43 Adjektive, 32 Substantive und 477 Adverbien und der Rest Pronomen, bei einer Raumtempertatur von 21,5 Grad Plus Celsius erzähle ich ihn dir, einen neuen Witz, der genau 8 Tage zwei Stunden und drei Sekunden alt ist, und den bis jetzt 43 Personen im deutschsprachigen Raum kennen, die ihn aber alle nicht verstanden haben.

Offizielle Bekanntmachung:

Hiermit gebe ich feierlich bekannt, dass ich nun einen Witz erzähle, den sich zu hören lohnt. Stellen Sie das Rauchen ein, trinken Sie nicht, hören Sie auf zu lachen und zu reden, es geht los.

Gespielte Überraschung

Nein, so etwas! Da steht ja noch ein Witz auf meiner Karteikarte! Was soll ich machen? Soll ich Ihnen vielleicht den Witz erzählen, sodass Sie auch mal was zu lachen haben? Nicht daran zu denken, wenn wir ihn nicht erzählen. Nein, nein, also, der Witz geht so...

Kollektiver Traum

Schließen wir also alle die Augen, tun wir so, als ob wir träumen. Was sehen Sie? Ich sehe einen Mann auf der Bühne, er erzählt uns einen Witz, und der Witz ist gar nicht mal so schlecht.

Offizieller Brief:

Ich habe die Ehre Sie davon zu informieren, dass mir ein amerikanischer Komödiant in einem Brief einen neuen Witz zukommen ließ, den ich vorhabe zu verlesen. Sehr geehrter Herr Rudi von Humorsburg! Wie geht es euer Gnaden? Ich hoffe...

Ein-Wort-Sätze:

Witz. Neu. Ich. Wunsch. Erzählung. Mann. Cowboy. Frau. Cowgirl. Baby. Cowbaby. Wald. Bär. Böse. Tot: Mann. Tot: Frau. Tot: Bär. Baby. Schuss. Pistole.

Kurz-Sätze mit maximal drei Wörtern

Ein Witz. Neu. Ich erzähl’l mal. Im Wald. Ein Mann. Er ist Cowboy. Eine Frau. Sie ist Cowgirl. Ein Baby. Es ist Cowbaby. Leben im Wald. Da kommt: Bäriger Bär...

Beharrung:

Ich bestehe und beharre darauf, Ihnen diesen behaarten Witz zu erzählen; nein, nein, widersprechen Sie ja nicht, ich sehe Ihnen an, sie wollen ihn doch auch...

Unwissenheit spielen:

Nun, ich weiß nichts davon, dass ich noch einen Witz in meiner Manteltasche liegen haben könnte. Aber sehen wir doch mal nach: Nanu? Da ich diesen Witz nicht kenne, lohnt es sich nicht, ihn Ihnen zum Besten zu bringen.

Aber gut, ich will nicht so sein...

Fragebogen

Um wieviel Uhr werden Sie Ihren nächsten Witz erzählen? “Um 20 Uhr 13”. Wie lange wird der nächste Witz sein? “Zirka zwei Minuten”. Was ist das Thema des Witzes? “Ein Witz über blonde Blondinen”. Und der anschließende Witz? “Ein Witz über rothaarige Blondinen”. Und der letzte Witz? “Ein Witz über schwarzhaarige Blondinen.”

Theaterstück

Erster Akt.

Szene I:

auf der Bühne erscheint ein Redner und setzt sich hastig auf den Sitz.

Redner (zerknirscht): Meine alten Witze sind viel besser als die neuen.

Der Redner kratzt sich am Kopf.

Redner: Ach, was täte ich für einen guten neuen Witz.

Szene II:

auf der Bühne erscheint eine Frau und geht achtlos weiter.

Redner (traurig): Früher wäre so etwas nicht passiert. Sie hätte sich neben mich gesetzt.

Wir hätten eine Unterhaltung geführt. Das Leben ist schon ein Witz, irgendwie.

Philosophisch (Lateinische Fremdwort-Überfrachtung)

Das Sujet des nächsten Iocus grande transformiert graduell in eine Metaphysik des allseits bekannten Jux-Faux-pas‘, wie wir den Lettren der Textinhaltsebene entnehmen können.

Anglizismen-Überfrachtung

Ok, Ladies and Gentleman, oh yeah, mein next joke ist über einen män und seine womän, Mr. X und Mrs. Y, die beide

vorhaben, in den heiligen Stand der marriage zu treten.

Telegrafisch

WITZ ERZÄHLEN STOP REDNER AUF DIE BÜHNE STOP MIT DER EINLEITUNG ANFANGEN STOP DANN DIE POINTE SUCHEN STOP

SMS

muss witz erzählen .)- redner stürzt auf bühne - fängt mit der einleitung an (/-) dann pointe -

Definitionen-reihung

Was ist ein Witz? Bevor wir über den ersten Witz lachen können, sollten wir uns fragen, was das Lachen über einen Witz verursacht. Doch was ist Lachen? Lachen ist ein Vorgang, der alle Muskeln des Körpers langsam erfasst, bis es sich wohlig ausbreitet und in uns ein Wohlbefinden mündet. Was ist aber Wohlbefinden?

Freivers

Der Redner

Erzählt

Einen

Witz.

 

Das Publikum

Lacht

Lacht

Laut

Immer

Lauter

 

Bis

Der Redner

Erzählt.

Seinen

Neuen

Witz.

 

Wortanalyse

Substantive: Redner, Witz, Publikum

Verben: erzählen, lachen

Adjektiv: gut, schlecht, laut

Pronomen: Ich, Sie, Ihnen

Präpositionen: über, unter, mit

Eigennamen-Häufung

Mr. Hardy und Mr. Laurel sind zwei neue Komiker, die uns eine Otto-Pointe nach der anderen bescheren und die sogar die Aufmerksamkeit des allseits beliebten Murphy auf sich gezogen haben, weil ihr Stooges-Slapstick nicht nur die Herzen des Monty-Python-erprobten Publikums erfreut.

 

Anonym

Keiner kennt den Urherber des nächsten Witzes. Er verbreitete sich über eine gefundene Flaschenpost rasant im Internet und weil ihn schon Millionen Leute kennen, sollen auch Sie zum verschwörerischen Kreis der paar wenigen gehören, die ihn kennen.

Medizinisch

Nach einem temporären Unwohlsein bezüglich des Verdauungstraktes infolge Lachmangels verordnete mir der Arzt nach eingehender Diagnose ein paar bittere Pillen, von denen ich jetzt ein paar vor Ihren Augen einnehmen werde.

Gastronomisch

Ein guter Witz ist wie eine süße Birne, ein schlechter wirkt wie eine Zitrone. Die Pointe ist das Vanilleis zum Nachtisch, und das befreiende Lachen ist der Verdauungsschnaps. Während die Kerze am Restauranttisch flackert, winken wir dem Ober...dem Ober, der jeden neuen Witz kennt! Garcon! Kommen Sie her. Kommen Sie zu uns.

Zoologisch

Die Affen sind die Leute, die über diesen Witz nicht lachen können. Die Füchse sind die Leute, die ihn verstehen. Die Esel im Publikum sollten jetzt aufpassen, sonst...

Porträt (Truman-Capote-Stil)

Er ist ein Komiker, wie man ihn nur selten findet. Es ist Donnerstagnach-mittag und ich sitze aufgeregt in seinem Büro.

Er lässt mich warten, denn er kann es sich leisten, mich warten zu lassen. Er ist ein Star, ein Star unter den Komikern. Dann schreitet er zur Tür herein: majestätisch, stolz, sich seiner Wirkung auf mich schwache, junge und unerfahrene Frau voll bewusst. Mein Herz schlägt höher. Was für ein Mann! Welch Kühnheit in seinen Augen! Welch verspielte Sinnlichkeit! Jede Frau würde ihm sofort die Kleider vom Leib reißen... Ich stelle meine erste Frage, er wartet lange und zögert, schließlich gibt er mir die Antwort, während er sich die erste Zigarette langsam anzündet und den Kopf zurücklehnt. Dann haucht er, sodass ich ganz schwach werde: Ich will Ihnen einen Witz erzählen, der nur uns beiden gehört...

Interjektionen

Oh! Stöhn! Bibber! Witzestunde! Zitter! Lach! Lach! Mach! Chef! Der Chef erzählt. Einen Witz! Einen? Zwei! Drei! Vier! Gute Güte! Nein, nein! Nie, nie! Er wird nie müde!

 

 

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